Industriekultur

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Daun/Gerolstein: „Schläfer“ in der Eifel ‑ Symposium zum Lava-Abbau und Landschaftsschutz

Gleichzeitig wird die Eifel als weitgehend intakter, naturnaher Erholungsraum gesehen mit großem touristischem Potential. Gerade über den Tourismus werden neue Wertschöpfungsketten generiert.

Damit stehen die beiden Wirtschaftsfelder ‚Lava-Abbau‘ und ‚Eifel-Tourismus miteinander in Konkurrenz. In welcher Relation stehen sie zueinander? Was sind ihre Grundlagen, ihre wirtschaftlichen Potentiale? Was wird derzeit wo erwirtschaftet?

Um diese Fragen drehte sich ein eintägiges, hochkarätig besetztes Symposion, das der Kreisverband Daun am 27. Oktober in Gerolstein/Vulkaneifelkreis veranstaltete. Rund 90 Teilnehmer fanden den Weg in die Stadthalle ‚Rondell‘. (siehe Ankündigung der IK-online)

In seinem Grußwort dankte der Landrat des Vulkaneifelkreises, Heinz Onnertz, dem Kreisverband Daun, dass er sich dieses wichtigen und kontroversen Themenkreises angenommen hat und ihn mit dieser Veranstaltung wieder einmal in die Öffentlichkeit rückt. Er beklagte die ungerechte Verteilung der Lasten und Erträge aus dem Lavaabbau und verwies auf den geringen Investitionsstock der kleinen Abbauunternehmen.

Der Vorsitzende des RVDL, Dr. Norbert Heinen, hob hervor, wie der RVDL mit derartigen Veranstaltungen Kommunikations-Plattformen bietet, um den Dialog zwischen Bürgern, Politik und Wirtschaft voranzutreiben.

Im Verlauf der Veranstaltung konnten mit diversen Fachreferaten naturräumliche und wirtschaftliche Aspekte von Lava-Abbau und Tourismus erörtert werden.

Einleitend führte Prof. Hans Erkert, KV Daun, eindrücklich den schon erreichten Stand der Landschaftszerstörung vor Augen und wies bei einem Vergleich der beiden Wirtschaftsfelder ‚Gesteinsabbau‘ und ‚Tourismus‘ nach, daß im Tourismus mittlerweile 10 mal mehr Arbeitsplätze entstanden sind als im Gesteinsabbau, die erwirtschafteten Umsätze im Tourismus sind noch wesentlich höher.

In seinem Vortrag über das Vulkanfeld der Westeifel hob Prof. Georg Büchel, Uni Jena, hervor, dass dank der guten Zusammenarbeit mit den gesteinsabbauenden Firmen exzellente Forschungs- und Dokumentationsbedingungen in der Eifel bestehen. Er stellte darüber hinaus neue Forschungsergebnisse vor, wonach die Vulkankörper unersetzliche Wasserspeicher darstellen, deren Abbau weitreichende Folgen für Mineralquellen und Wasserversorgung der Bevölkerung haben kann.

PD Dr. Bodo Moeseler, Uni Bonn arbeitete die Wirkung des Menschen an der heutigen Kulturlandschaft Eifel heraus.

Der Direktor des Landesamtes für Geologie und Bergbau RLP, Prof. Harald Ehses, machte die rechtlichen Grundlagen des Gesteinsabbaus deutlich, während Dr. Michael Wuttke, GDKE Mainz,  Erkenntnisse aus dem Lavaabbau und deren Nutzung für den Tourismus am Beispiel Wartgesberg/Strohn erläuterte. 

Den wirtschaftlichen Segen des ‚Bruchzinses‘ aus dem Lava-Abbau erläuterte der Ortsbürgermeister Horst Kolitsch am Beispiel seiner Gemeinde Walsdorf-Zilsdorf.

Unter dem Stichwort ‚Landschaftsästhetik und Tourismuspotential‘ begründete Dipl.-Ing. Dieter Klöppel, Uni Aachen, dass für den Tourismus die intakte, harmonische Landschaft mit entsprechenden Blickachsen und Raumbezügen von hervorragender Bedeutung ist.

Schließlich konnte Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel Tourismus GmbH, die zunehmende Bedeutung des Tourismus für die Eifel aufzeigen, wobei der Geotourismus ein Alleinstellungsmerkmal der Vulkaneifel im Reigen der deutschen Urlaubslandschaften darstellt, ohne daß man diesen Teil des Tourismus tatsächlich quantifizieren kann.

An der abschließenden, teilweise kontrovers geführten Podiumsdiskussion nahm das Auditorium rege Anteil: so erläuterte der Vertreter des BUND, Norbert Leinung, das fortdauernde  Abbaurecht auch für derzeit stillgelegte Gruben und bezeichnete diese ‚Schläfer‘ als zusätzliche, bislang kaum wahrgenommene Gefahr für den nachhaltigen Landschaftsschutz, dem die Verwaltung wenig entgegenzusetzen hat. Prof. Büchel betonte, dass die derzeitige Abbauintensität zu hoch ist und nachhaltigere Formen der Wertschöpfung beim Abbau vulkanischer Gesteine erreicht werden müssen. Die dazu notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen fehlen jedoch noch. Der Vertreter der KV Daun, RD Uli Diederich hob hervor, dass der Kreistag schon vor längerem den Beschluss gefasst hatte, keine neuen Gruben mehr zu erschließen, was aber leider nicht in der Zuständigkeit dieses Gremiums liege. Einige Bürger schilderten ihre Betroffenheit angesichts der mit dem Lava-Abbau verbundenen Umweltbelastungen einschließlich des Schwerlastverkehrs und der fehlenden Mitsprachemöglichkeiten bei der Erweiterung bestehender und neuer Abbaugenehmigungen, die ausschließlich über das zuständige Landesamt für Geologie und Bergbau erfolgen.

Insgesamt war es eine gelungene Veranstaltung, die zeigte, dass der RVDL als kritischer Moderator in dem Kommunikationsdreieck von Bürgern, Politik und Wirtschaft durchaus eine wichtige Rolle spielt und in Zukunft dieses Thema auch weiter verfolgen muss.

Sibylle Bauer

Rheinischer Verein, Kreisverband Daun

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Lavasand-Tagebau oberhalb des Kylltals bei Hillesheim, Vulkaneifelkreis. Die 23 ha große Grube soll künftig um 19 ha erweitert und unter Vertiefung auf 90 m unter Geländeoberkante in einen Basaltbruch umgewandelt werden. In weniger als einem km Entfernung liegen zwei weitere Lavagruben und ein aufgelassener Basaltbruch in der aus zwei Schichtvulkanen mit zwischenliegendem Trockenmaar gebildeten Hügellandschaft. Nur zwei  km östlich davon ist der einst weithin landschaftsprägende Vulkankegel des Goßbergs bei Walsdorf  inzwischen der öden Kraterlandschaft einer weiteren Lavagrube gewichen. Diese Beispiele repräsentieren nur einen kleinen Ausschnitt aus der gegenwärtig rapiden und nachhaltigen großräumigen Zerstörung einer über Jahrhunderte gewachsenen einzigartigen naturnahen Kultur- und Erholungslandschaft in Deutschland. (Foto: H. Erkert)