Köln: Möhring-Halle bleibt stehen

Wie die Kölner Presse meldete, wird die Firma NKT Cables ihre neue Seekabelfabrik mit größter Wahrscheinlichkeit nicht am Mülheimer Hafen, sondern auf dem Bayer-Gelände („Chemiepark“) in Köln-Flittard ansiedeln. Ursprünglich hatte die Stadt Köln dem Unternehmen das derzeit im Besitz der Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen befindliche Gelände der Firma KHD angeboten. Ein Teil der überwiegend aus der Zeit um 1900 stammenden Bebauung steht unter Denkmalschutz. Dazu gehört auch eine urspünglich 1902 für die Düsseldorfer Industrieausstellung errichtete und später nach Köln versetzte Halle nach Plänen des Berliner Architekten Bruno Möhring. Erst vor wenigen Jahren war die Halle, nicht zuletzt eine direkte Vorläuferin der berühmten Maschinenhalle der Zeche Zollern II in Dortmund (jetzt Zentrale des Westfälischen Industriemuseums), wieder entdeckt worden. Das zentral zwischen Deutz-Mülheimer Strasse und Mülheimer Hafen sowie zwischen der Kölner Messe und dem Mülheimer Stadtkern gelegene Gelände, industriegeschichtlich hochbedeutend als Schauplatz der Entwicklung des Verbrennungsmotors unter Nikolaus August Otto, Gottfried Daimler und Wilhelm Maybach, soll mit Hilfe privater Investoren für Wohnen und innovatives Gewerbe unter weitgehender Einbeziehung historischer Bauten umgewandelt werden. Kurz vor Abschluss entsprechender Vereinbarungen hatte das Angebot der Stadt an NKT Cables diese jahrelang vorangetriebenen Pläne bedroht. Neben der stadtplanerisch wünschenswerten hochwertigen Mischnutzung des Geländes in Messe- und Rheinnähe sprachen weitere Gründe gegen die Neuansiedlung: das Ausmaß der geplanten Fabrikanlage mit erheblicher Höhenentwicklung und der Wunsch nach möglichst frühem Baubeginn vor allem im Zusammenhang mit einer unklare Altlastensituation. Nach den Planungen sollten vom Altbaubestand, der auch die ehemalige Gießerei am Nordende des Geländes umfasst, nur der stadtbildprägende Gebäuderiegel entlang der Deutz-Mülheimer Strasse erhalten bleiben. Die Möhring-Halle in Geländemitte sollte dagegen an einen nicht näher bezeichneten Ort versetzt werden.

 

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Die jetzt auf maßgebliches Betreiben der Mülheimer Bezirksvertretung gefundene Lösung – ein Alternativstandort im Neusser Hafen, der besonders auch wegen Verlagerung von 500 Arbeitsplätzen vermieden werden sollte, stand inzwischen nicht mehr zur Verfügung – nimmt den Druck von dem historischen Gelände der Gasmotorenfabrik und lässt eine von dem vorgesehenen Investor bereits andernorts erfolgreich umgesetzte schrittweise, denkmal- und geschichtsfreundliche Entwicklung erhoffen. Möglicherweise hat sie aber auch das Bewusstsein für den Wert eines der industriegeschichtlich herausragendsten Standorte in Köln gestärkt; zumindest sind der drohende Verlust wichtiger, ortsgebundener Zeugnisse erst einmal gestoppt und Potentiale erhalten, die in kürzerer oder längerer Perspektive eine interessante Rolle spielen können.

 

 

Nähere Informationen zum historischen Standort „Gasmotorenfabrik Deutz“ unter:www.rheinische-industriekultur.de

 

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