Köln: Tagung über Technikkatastrophen

Welches Ereignis allerdings als katastrophal eingeschätzt wird, hängt nicht nur von objektiven Gegebenheiten (wie der Zahl der Verunglückten oder dem Umfang der Sach- und Umweltschäden) ab, sondern auch von der Art und Weise seiner medialen Präsentation und vom Katastrophenbewusstsein des Betrachters. Die Wirkung und Wahrnehmung von Technikkatastrophen ist damit eng mit medienhistorischen Prozessen und Adaptionen verbunden. Dem Untergang der Titanic oder der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl kommt in dieser Beziehung im öffentlichen Bewusstsein eine paradigmatische Bedeutung zu. In der Gegenwart ist die medienvermittelte Verbindung zwischen technischem Versagen und der ihm zuwachsenden sozialen Aufmerksamkeit umso bedeutungsvoller, da mit der wachsenden Komplexität und Informatisierung technischer Systeme auch soziokulturelle Wechselwirkungen zunehmen, wie William Evan und Mark Manion in ihrer jüngst erschienenen Studie aufgezeigt haben.

Die von der Inklings-Gesellschaft für Literatur und Ästhetik und vom Zentrum für Moderneforschung der Universität zu Köln gemeinsam veranstaltete Tagung beschäftigt sich aus einer interdisziplinären und medienwissenschaftlichen Perspektive mit der Aufbereitung von historischen Technikkatastrophen zwischen Ereignis, Bericht, literarischer und filmischer Darstellung. Im Unterschied zu derBeschäftigung mit Katastrophenereignissen, wie sie in den Ingenieurwissenschaften oder in der Technikfolgenabschätzung vorgenommenwerden, stehen im Fokus der Tagung nicht Fragen technischer Zuverlässigkeit oder des Risikomanagements, sondern die historische Wahrnehmung von Technikkatastrophen und die spezifischen Formen ihrer medialen Vermittlung und Interpretation.Die Tagung findet am 6. und 7. Juli 2007 im Neuen Senatssaal der Universität zu Köln, Hauptgebäude, statt und steht allen Interessierten offen. Das Programm und weitere Informationen finden sie im Internet unter: www.zfmode.de

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