Industriekultur

Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte

Dortmund

Mit dem Abbruch geht ein Wahrzeichen verloren, vor allem aber ein Bauwerk, das in unmittelbarem Zusammenhang mit dem benachbarten Denkmal-Ort »Kokerei Hansa« stand. Dennoch hielt die Stadt Dortmund den Hansa-Gasometer unter anderem mit Verweis auf den baugleichen Behälter in Oberhausen (umgenutzt als Ausstellungs- und Aussichtsturm ein Publikumsmagnet) für nicht denkmalwürdig. Denkmalgeschützt wurden nur die bis 1928 erbauten Teile der Kokerei. Der Gasbehälter aber ging erst 1934 in Betrieb. Ohne Denkmalschutz konnte die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, die auch die Kokerei Hansa betreut, den Gasbehälter nicht übernehmen. Einem Erhalt des beeindruckenden Klang-Raumes im 95 Meter hohen und 56 Meter breiten Gasometer wurde somit jede Chance genommen.

Die 1913 zunächst von der MAN entwickelten – trockenen – Scheibengasbehälter (hier »schwimmt« eine mit einem Öl-Teer-Gemisch abgedichtete Scheibe auf dem Gaspolster) waren im Vergleich zu den bis dahin üblichen, schweren Glockenbehältern (hier taucht die Glocke mit dem Gas in ein Wasserbad ein) ein deutlicher Fortschritt. Ende der 1920er Jahre brachte eine Rationalisierungswelle viele Großkokereien hervor, bald darauf veränderten zahlreiche weithin sichtbare MAN-Gasbehälter das Gesicht des Ruhrgebietes. Das beim Verkoken anfallende Kokereigas wurde in großen Mengen an Hüttenwerke und Haushalte abgegeben. Bei geringer Nachfrage wurde das Gas zwischengespeichert: In dem Behälter auf Hansa hatten bis zu 175.000 Kubikmeter Gas Platz. Ende der 1940er Jahre wurde bei Reparaturarbeiten das Dach des genieteten Stahlzylinders entfernt – und damit die stabilisierende, sternförmige Doppel-T-Träger-Konstruktion. Ein Sturm drückte die nur wenige Millimeter dicken Seitenwände ein. Daraufhin wurde der Behälter vollständig abgetragen und bis 1951 exakt nach den Plänen aus den 1930er Jahren neu errichtet.

Sven Siebenmorgen