Industriekultur

Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte

Niedersachsen: Wilhelmshaven – Südzentrale

Die 1909 in Betrieb genommene Südzentrale stehe mit der gleichzeitig gebauten, benachbarten Kaiser-Wilhelm-Brücke (damals größte Drehbrücke Europas) für die zwiespältige Geschichte der Stadt am Jadebusen. Wilhelmshaven war seit 1853 am Reißbrett geplanten worden, um einen leistungsfähigen Hafen für die preußisch-kaiserliche Marine zu schaffen. Brücke und Kraftwerk gehören zu den letzten örtlichen Zeugen der Aufrüstung vor dem ErstenWeltkrieg, sind aber darüber hinaus auch mit ihrer Technik und Architektur (das Kraftwerk hat Fritz Riekert entworfen) überregional bedeutend. Produziert wurde Fernwärme für das benachbarte Marinearsenal, in den ersten Jahrzehnten auch Strom mit Hilfe von Dampfturbinen und Dieselmotoren. Nach seiner Stilllegung verkaufte der Bund das Kraftwerk an einen Investor, der es offensichtlich mit Gewinn an einen anderen weiterreichte. Letzterer will dort möglicherweise Kühlhäuser für die expandierende Nordfrost bauen; auch die Stadtwerke sollen daran beteiligt sein, hieß es. Trotz Denkmalschutz musste der Abbruch genehmigt werden, weil ein Erhalt aus wirtschaftlichen Gründen als unzumutbar gilt. Doch dann regte sich der Bürgerprotest. Und der Bau ist durchaus sanierungsfähig, betonte Corinna Janßen.

 

S.B.