Archiv für den Monat: April 2012

Kempten/Allgäu: König-Ludwig-Brücke in Kempten ist „Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“

­In Bayern ist die König-Ludwig-Brücke das zweite und bundesweit das elfte Bauwerk, welches mit dem von der Bundesingenieurkammer verliehenen Titel geehrt wird. Damit steht sie in einer Reihe mit so bedeutenden Ingenieurbauwerken wie dem Schiffshebewerk Niederfinow, dem Stuttgarter Fernsehturm und der Fleischbrücke Nürnberg.

Die heute als Fuß- und Radwegbrücke genutzte König-Ludwig-Brücke war außerdem eines der ersten Bauwerke in Deutschland, dessen Tragelemente nicht empirisch, sondern auf Grundlage theoretischer Überlegungen bemessen wurde. Die nahezu im Originalzustand erhaltene Brücke markiert damit auch den Übergang von der empirischen zur theoretisch begründeten Konstruktion. Ohne Übertreibung ist sie als weltweit einzigartiges Monument der Bautechnik anzusehen.

Der Festakt an der König-Ludwig-Brücke beginnt um 11:00 Uhr. Am Bauwerk wird eine Ehrentafel enthüllt. Neben dem Oberbürgermeister der Stadt Kempten, Herrn Dr. Ulrich Netzer, sprechen die Präsidenten der Bundesingenieurkammer und der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Hans-Ullrich Kammeyer und Dr.-Ing. Heinrich Schroeter. Zum Festakt an der Brücke sind alle Kemptener und ihre Gäste herzlich eingeladen.

Im Anschluss an den Festakt wurde um 12:15 Uhr im Alten Kraftwerk die von der Bundesingenieurkammer herausgegebene neue Broschüre über die König-Ludwig-Brücke vorgestellt. Den Festvortrag hielt der Autor der Broschüre, Prof. Dr.-Ing. Stefan M. Holzer, der in seinem genau recherchierten Text neben bekannten auch viele unbekannte Fakten über Kemptens baukulturelles Kleinod zusammengetragen hat. Auf den insgesamt 94 Seiten der reich illustrierten Broschüre werden auf allgemeinverständliche Weise das interessante historische Umfeld und die Bedeutung der Brücke für die Geschichte des Bauingenieurwesens aufgezeigt. Dabei kommen auch die zeitgenössischen Ingenieure selbst zu Wort. Dem Leser wird ein überaus lebendiger Eindruck von dem regen internationalen Gedankenaustausch, der die innovationsfreudige Zeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts charakterisierte, vermittelt.

Die Publikation, die als Band 11 der Schriftenreihe zu den Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland erscheint, kann zum Preis von 9,80 bei der Bundesingenieurkammer oder im Buchhandel bestellt werden.

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Lage/Lippe: Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum – LWL präsentiert neue Ausstellung im Ziegeleimuseum Lage

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"Das Trinken ist für uns so alltäglich, dass wir kaum darüber nachdenken. Aber unsere Trinkgewohnheiten kommen nicht von ungefähr, sondern haben eine Geschichte und spiegeln gesellschaftliche Entwicklungen. Wenn wir uns damit beschäftigen, eröffnet das ganz neue Blicke auf die Getränke, die wir täglich zu uns nehmen", sagte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale heute (12.4.) bei der Vorstellung der Ausstellung in Lage.

Mit zahlreichen Exponaten, Fotos und Dokumenten zeichnet die Schau eine "Landkarte" der Trinkkultur und Kultgetränke in Westfalen-Lippe. Wasser, Schnaps, Bier, Limonade, Milch, Tee und Kaffee – das sind die Getränke, die in den letzten 150 Jahren Westfalen-Lippe prägten. Die Ausstellung beleuchtet soziale Zuschreibungen und Konjunkturen, denen der Konsum der verschiedenen Getränke unterlag und fragt nach den Hintergründen. Passend zum Ausstellungsort geht sie außerdem auf die Prozesse der industriellen Produktion ein.

Flüssiges Kulturgut
Erst seit rund 10.000 Jahren gibt es neben Wasser auch andere Getränke. Sie kommen nicht in natürlicher Form vor, sondern müssen eigens hergestellt werden. Die Industrialisierung beeinflusst das flüssige Kulturgut in doppelter Hinsicht: Sie verändert die Produktion der verschiedenen Ge-tränke sowie deren Rolle in der Gesellschaft. Welche Rolle spielten und spielen Getränke in unserem Alltag? Wie haben sich die Trinkgewohnheiten in den letzten Jahrhunderten verändert? Welche Getränke haben Zuwanderer mit nach Deutschland gebracht? Gibt es typische regionale Trinkgewohnheiten? Auf diese Fragen gibt die als Wanderausstellung konzipierte Schau Antworten.

Made in Ostwestfalen-Lippe
Zwei Getränke sind dabei besonders in Ostwestfalen-Lippe verankert: Schnaps und Limonade. "In der weithin landwirtschaftlich geprägten Region bildete sich seit dem 19. Jahrhundert eine vielfältige Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft aus, zu deren Charakteristika auch eine vielfältige Getränkeindustrie gehörte", erläutert LWL-Museumsleiter Willi Kulke. So existierten in der Region um Gütersloh, Halle und Steinhagen traditionell viele Brennereien, die aus Roggen und dem Wacholder der nahegelegenen Sennelandschaft Branntwein herstellten. Steinhagen war bis in die 1970er Jahre ein Zentrum der westfälischen Brenntradition. Seit dem 19. Jahrhundert ist der Ortsname untrennbar mit dem Steinhäger-Wacholderbranntwein verbunden. Auf dem Höhepunkt des deutschen Schnapsdurstes in den 1960er Jahren produzierten 15 größere und kleinere Brennereien in Steinhagen.

Weltweit bekannt geworden ist auch ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk, dessen fruchtige Grundsubstanz jahrzehntelang in Detmold hergestellt wurde. Der Lagenser Geschäftsmann Franz Hartmann verkaufte es ab 1902 unter dem Namen des Naturheilkundlers Friedrich Eduard Bilz als "Bilz-Brause". Seit 1907 trägt es den geschützten Namen "Sinalco" (Abkürzung für "sine alcohol", ohne Alkohol). 1937 kam das werbewirksame Emblem hinzu: der rote Punkt mit dem schräg stehenden Schriftzug.

Zum Wohl!
Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt an der "Bude". Sie ist die zentrale Anlaufstelle und entsprechend ihrer Herkunft als Selterwasserhäuschen Schauplatz für das Thema Mineralwasser.

Die Bude wird von sechs runden Ausstellungsstationen zu den Getränken Schnaps, Bier, Limonade, Milch, Kaffee und Tee flankiert. Im Mittelpunkt steht jeweils ein Großexponat, das die Produktion der Getränke illustriert – von der Abfüllanlage bis zur Teebeutelpackmaschine. Umrahmt werden sie von den unterschiedlichsten Objekten zur Kultur- und Konsumgeschichte. "FühlBars" mit Rohstoffen der Getränkeherstellung ermöglichen den Ausstellungsgästen einen direkten, sinnlichen Zugang. Medienstationen, die Werbefilme und Interviews zeigen, regen darüber hinaus zur Reflexion über den Status der thematisierten Getränke in der Gesellschaft an.

Begleitveranstaltungen zur Ausstellung

So 22. April, 29.Juli und 23. September, jeweils 15 Uhr
Von Wichteln und Elfen im Märchenland – von Zauber- und Hexentrank
Resi Diekmann erzählt Märchen über magische Tränke und Elixiere für Groß und Klein. Museumseintritt

Mi 9. Mai und 11. Juli, jeweils 14.30 Uhr
"Zum Wohl!"-Komfortpaket Geschichte und Kaffee
Beim Besuch der Ausstellung hören Teilnehmer Geschichten über die Getränke. In geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen tauschen sie Kaffeeerinnerungen aus. Anmeldung erforderlich, Dauer: ca. 2 Stunden. Kosten: 9 Euro pro Person inkl. 1 Tasse Kaffee und 1 Stück Kuchen.

Mi 16. Mai, 17-19 Uhr
Kaffeeseminar
Cupping – das Seminar für Kaffeekenner und solche, die es werden wollen. Unter Leitung das Kaffeeexperten Stefan Bös lernen die Teilnehmer alles über den perfekten Kaffee und verkosten Kaffeesorten. Anmeldung erforderlich, Kosten: 15 Euro

Do 31. Mai, 14.30 Uhr
Exkursion Staatlich Bad Meinberger Mineralbrunnen
Wir besuchen die Staatlich Bad Meinberger Mineralbrunnen und erleben die Produktion von Mineralwasser und Limonaden. Dauer: Ca. 1 Stunde Anmeldung erforderlich, kostenfrei

So 3. Juni, 14 – 14.30 Uhr und 15 – 15.30 Uhr
Musik zur Kaffeezeit
Das Duo Dinero präsentiert Lieder rund ums Trinken und andere Themen. Kosten: Museumseintritt

Do 7. Juni und So 12. August, jeweils14 Uhr
Tees, Tinkturen & Co.
Im LWL-Ziegeleimuseum wachsen allerlei nützliche Pflanzen. Die Museumsmitarbeiterin Sabine Schierholz erklärt, welcher Tee, Sirup und Tropfen daraus hergestellt werden können. Kosten: Museumseintritt

So 10. Juni, 14-17 Uhr
Kaffeerösten
Tina Abbing, Enkelin des Firmengründers der Probat-Werke und Leiterin des Museums für Kaffeetechnik in Emmerich, röstet auf dem Probat-Kaffeeröster aus dem Jahr 1935 frische Kaffeebohnen und leitet die Teilnehmer durch die Kaffeewelt. Ohne Anmeldung. Kosten: Museumseintritt

So 14. Juni, 15 Uhr
Exkursion Privat-Brauerei Strate Detmold
Die Teilnehmer besichtigen den Betrieb und erleben die Kunst des Bierbrauens aus erster Hand. Dauer: ca. 1,5 Std. Anmeldung erforderlich, kostenfrei

So 24. Juni, 14-17 Uhr
Porzellan und Glas schätzen
Thomas Sauerland vom Auktionshaus OWL schätzt die Lieblingsstücke der Besucher: Was ist Omas alte Sammeltasse wert? Schatz oder Staubfänger? Nur ein Objekt pro Person, Kosten: Museumseintritt

So 2. September, 14 Uhr
Vortrag "Die heißen 3 und Porzellan – eine Symbiose"
Thomas Krueger, Museumsleiter in der Porzellanmanufaktur Fürstenberg, erzählt aus der Geschichte von Kaffee, Tee und Schokolade und ihrer Trinkgefäße. Kosten: Museumseintritt

So 30. September, 14-17 Uhr
Kaffeerösten
Stefan Bös, Kaffeeröster aus dem Lemgoer Café da Capo, führt die Teilnehmer durch die Welt des Kaffees und röstet frische Kaffeebohnen. Kosten: Museumseintritt

Museumspädagogische Angebote und Führungen

Getränkeforscher
(für Schüler Klasse 1 bis 4)
In Kleingruppen wird die Ausstellung rund um die Themen Milch, Limonade, Wasser und Tee erkundet und Fragen zur Herstellung und Inhaltsstoffen beantwortet. Zum Schluss stellen die Teilnehmer ein ganz individuelles Klassengetränk her. Dauer: 1,5 bis 2 Stunden. Teilnehmer: max. 25. Kosten: 45 Euro plus Museumseintritt, zwei Begleitpersonen frei.

"Zum Wohl!" Getränke zwischen Kultur und Konsum
(für Erwachsene)
"Zum Wohl!" heißt es zu Beginn der Führung durch die Sonderausstellung. Hier steht der Spaßfaktor im Vordergrund, wenn in geselliger Runde die Ausstellung erkundet wird. Dauer: ca. 1,5 Stunden. Teilnehmer: max. 25 Personen. Kosten: 40 Euro plus Museumseintritt. Zusätzlich ist eine Getränkeverkostung im Museumscafé buchbar (Informationen auf Anfrage).

"Zum Wohl!"-Komfortpaket Geschichte und Kaffee
(für Senioren)
Beim Besuch der Ausstellung hören die Teilnehmer Geschichten über die Getränke. In geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen tauschen sie Kaffee-Erinnerungen aus. Anmeldung erforderlich, Dauer: ca. 2 Stunden. Teilnehmer: 16 bis 25 Personen. Kosten: 9 Euro pro Person inkl. Eintritt, 1 Tasse Kaffee und 1 Stück Kuchen.

"Zum Wohl!" vor Ort
(für Senioren)
Museumspädagogen kommen in Senioreneinrichtungen und nehmen die Teilnehmer mit auf eine Reise durch die Welt der Getränke. Die Teilnehmer hören Geschichten zu Kaffee, Schnaps, Milch und Bier und dürfen selbst die mitgebrachten Exponate anfassen und dazu erzählen. Dauer: 1 Stunde. Kosten: 50 Euro (ab 20 Kilometer zusätzlich Fahrtkosten)

Zum Wohl!
Getränke zwischen Kultur und Konsum
15. April bis 30. September 2012
Ziegeleimuseum Lage
Sprikernheide 77, 32791 Lage
Geöffnet Di – So, 10-18.00 Uhr

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Berlin: Ausstellung „Baumeister der Revolution. Sowjetische Kunst und Architektur 1915–1935“ im Martin-Gropius-Bau eröffnet

­Die Ausstellung „Baumeister der Revolution“ lenkt, so die Veranstalter, den Blick auf einen Bereich der sowjetischen Avantgarde, der in Europa und darüber hinaus relativ unbekannt geblieben ist: die Architektur. Auch in Russland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion sind die Namen der meisten Architekten weitestgehend vergessen. Ihre Bauten sind nicht in dem Maße Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden, wie es das „Neue Bauen“ im Westen ist.

Die Ausstellung stelle dieses beeindruckende Kapitel der Avantgarde auf ungewöhnliche Weise vor, indem sie drei inhaltliche Ebenen miteinander verschränkt. Ausgewählte Werke der frühen Avantgarde, u.a. von El Lissitzky, Gustav Kluzis, Ljubow Popowa, Alexander Rodtschenko oder Wladimir Tatlin zeigen die intensive Beschäftigung der Künstler seit 1915 mit Fragen von Form, Raum und Materialität. Nach der Revolution engagierten sie sich in verschiedenen Gremien für die Umsetzung dieser Ideale wie 1919–20 in der Kommission für die Synthese von Malerei, Bildhauerei und Architektur. Die Architekten Nikolai Ladowski, Wladimir Krinski, aber auch der Maler Rodtschenko schufen dort erste Entwürfe für die Stadtplanung und für Kommune-Häuser.

Tatlin projektierte 1919 das berühmte „Denkmal der III. Internationale“ – eine komplizierte Ingenieurskonstruktion mit beweglichen Räumen. Obwohl nicht gebaut, hat es mit seinem visionärem Potential und seiner dynamischen Formensprache die spätere Architektur des Konstruktivismus beeinflusst. Während die beeindruckenden Bilder und Zeichnungen aus der Sammlung Costakis aus Thessaloniki deutlich machen, welche Rolle das Architektonische bereits in den frühen künstlerischen Entwürfen spielte, geben Vintageprints aus dem Staatlichen Wissenschaftlichen Forschungsmuseum für Architektur A.W. Schtschussew in Moskau einen Eindruck vom architektonischen Aufbruch einige Jahre später. Die historischen Fotografien zeigen, dass die neuen Bauten nicht nur typologisch, sondern auch in ihren Dimensionen eine neue Zeit verkörperten: Sie überragten die alten urbanen Strukturen und waren ein Fanal der kommenden Industrialisierung und Umwälzung des Landes. Die Fotografien des renommierten britischen Architekturfotografen Richard Pare wiederum führen den Betrachter in die Gegenwart. Pare hatte 1993 begonnen, diese „verlorene Avantgarde“ wiederzuentdecken. Auf mehreren Reisen nach Moskau und nach St. Petersburg sowie durch die ehemaligen Sowjetrepubliken dokumentierte er, was von den Gebäuden noch erhalten ist. Seine Aufnahmen spüren deren Schönheit und den Erfindungsreichtum ihrer Erbauer auf und zeigen zugleich die Spuren des Verfalls. Damit zeichnen sie auch ein Bild der postsowjetischen Gesellschaft, die sich ihres außergewöhnlichen Erbes nicht bewusst ist.

Neu waren bei dieser Architektur nicht nur die Formensprache, sondern auch die Bauaufgaben: So entstanden mit dem Aufbau der neuen Gesellschaft Arbeiterclubs, Gewerkschaftshäuser, kollektive Wohnanlagen, Sanatorien für die Werktätigen, staatliche Großkaufhäuser, Partei- und Verwaltungsbauten, aber auch Kraftwerke und Industrieanlagen, um das Land zu modernisieren.

Der erste wichtige Bau nach der Revolution war der Schabolowka-Radioturm von Wladimir Schuchow. Er wurde von 1919–22 aus sechs übereinander montierten Hyperboloiden errichtet und war mit 150 Metern zu jener Zeit der höchste Turm in dieser Bauweise. Seine elegante, filigrane Struktur wurde Symbol der Überwindung des Alten und Schweren. Rodtschenkos bekannte Fotos des Radioturmes – heute Ikonen der Avantgardefotografie – betonen die Dynamik von unten nach oben. Pares Aufnahmen des Turmes zielen stärker auf die Details und rücken damit die Bauweise jener Zeit ins Blickfeld.

Die Leistungen russischer Ingenieure wie Schuchow beeinflussten mit ihren neuartigen technischen Konstruktionen die Entwicklung der Architektur, die den Funktionen entsprechend klare, geometrische Formen verwendete. Im Verlaufe der 1920er Jahre zeichneten sich dann zwei entscheidende architektonische Strömungen ab: der Rationalismus und der Konstruktivismus. Die Vertreter der ersten Strömung gründeten 1923 die Assoziation neuer Architekten (ASNOVA), ihr Hauptvertreter war Ladowski. Bei den Konstruktivisten spielte neben Alexander Wesnin Moisei Ginsburg eine große Rolle. 1925 vereinigten sich die konstruktivistischen Moskauer Architekten in der Gesellschaft moderner Architekten (OSA). Daneben gab es auch andere Strömungen und herausragende Einzelgänger wie Konstantin Melnikow. Trotz polemischer Auseinandersetzungen zwischen den Strömungen hatte sich bis Ende der 1920er Jahre ein modernes Bauen konsolidiert.

Im Zuge der Industrialisierung des Landes im Rahmen des ersten Fünfjahrplanes 1928–32 wurde die Entstehung neuer Städte vorangetrieben. Damit waren Fragen des Konzepts der Großstadt verbunden, für die unterschiedliche Lösungen vorgeschlagen wurden wie die „horizontalen Wolkenkratzer“ für Moskau von El Lissitzky oder die „Parabel“ als Grundschema der Stadtentwicklung von Ladowski. Etliche der von Pare fotografierten Gebäude wurden für kollektives Wohnen entwickelt. Der von Ginsburg und Ignati Milinis 1930 in Moskau errichtete Narkomfin-Wohnblock war eins der experimentellsten Projekte jener Ära. Er enthielt neben Wohnungen auf zwei Etagen auch eine gemeinschaftlich betriebene Kantine, eine Kindertagesstätte, eine Sporthalle und eine Waschküche. Weitere Bautypen zur Durchsetzung der kollektivistischen Lebensweise waren Großküchen, von denen drei im damaligen Leningrad von einer Gruppe um Josif Meerzon, Vertretern des Rationalismus, erbaut wurden. Arbeiterklubs und Kulturpaläste dienten vielfältigen Bildungsangeboten und symbolisierten im Stadtraum mit ihren dynamischen Formen die Rolle der neuen Klasse.

Als sich Mitte der 1930er Jahre das politische Klima in der Sowjetunion gravierend änderte und damit eine monumentale, sich am Klassizismus orientierende Bauweise protegiert wurde, endete dieses spannende Kapitel der Avantgarde und geriet in Vergessenheit.

Weitere Informationen zur Ausstellung hier­

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Leutkirch/Baden-Württemberg: „Bürgerbahnhof“ ist Denkmal des Monats April 2012

­Das Empfangsgebäude war im Jahr 1889 für die gesamte Streckenführung der Allgäu Bahn errichtet worden. Auch nach Aufgabe eines Bahnzweiges und der Verlegung der Bahnhofsfunktion in einen nahe gelegenen Kiosk, blieb das Bahnhofsgebäude nahezu unverändert erhalten. Allerdings wurde seit 50 Jahren nicht mehr in die Erhaltung des Gebäudes investiert. Schließlich hat der Gemeinderat der Stadt Leutkirch den Initiativkreis Bürgerbahnhof im Jahre 2010 veranlasst, ein Finanzierungskonzept für das Projekt zu entwickeln.

Dem kam die im Herbst 2010 gegründete Genossenschaft in geradezu vorbildlicher Weise nach. Als neue Eigentümerin des Bahnhofsgebäudes hat sich die Genossenschaft zum Ziel gesetzt, bei Ihren Mitgliedern einen Großteil der Kosten für die Instandsetzung einzuwerben. Zusammen mit der öffentlichen Förderung wird das Bahnhofsgebäude in Eigenregie mit Hilfe der Bürger derzeit saniert.

Für die Denkmalstiftung Baden-Württemberg war es angesichts dieses Einsatzes keine Frage, den Leutkircher Bürgern bei der Instandsetzung finanzielle Hilfe zu leisten. Dabei steht für die Stiftung die Förderung der denkmalrelevanten Gewerke, wie die Fenster- und Bodenrenovierung sowie die Renovierung der Schindelverkleidung des Gebäudes im Vordergrund.

Als neue Nutzung soll im Erdgeschoss eine Wirtshausbrauerei eröffnet werden, der erste Stock dient der Büronutzung. Im Dachgeschoss soll schließlich ein Informationszentrum „Nachhaltige Stadt" eingerichtet werden.

Am Wochenende 20.-22. April 2012 wird der neue Bürgerbahnhof Leutkirch feierlich eröffnet. Der Denkmalstiftung Baden-Württemberg ist dies nach eigenen Angaben allemal die Erklärung zum Denkmal des Monats April 2012 wert.

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Bochum: Deutsches Bergbau-Museum bald unter neuer Leitung

­Der Zweite Interationale TICCIH-Kongress fand 1975 hier statt; das „Zollern-Institut“ bildete sozusagen den Vorläufer des Westfälischen Industriemuseums in Dortmund-Bövinghausen und ermöglichte die Rettung der berühmten Jugendstil-Maschinenhalle. Der bisherige Direktor Rainer Slotta erarbeitete die ersten Überblicks- und Brancheninventare zu den Industriedenkmalen in Deutschland.

Zukünftiger Leiter wird Stefan Brüggerhoff (*1956), der seit 1990 als Leiter der Abteilung „Denkmalschutz und Materialkunde“ wesentliche Grundlagenforschung für den materiellen Erhalt von Industriedenkmalen initiierte. Die Zweite „BigStuff“-Konferenz im Jahre 2007 (wir berichteten) brachte Wissenschaftler, Kuratoren und Restauratoren in Bochum und Hattingen zusammen. Aktuelle Forschungen umfassen Konzepte und Evaluation für Dokumentation, Konservierung und Nutzung von großformatigen Technischen Denkmalen.

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