Archiv für den Monat: Januar 2012

Dortmund/Witten: Bergbaufolgen werden zu Verkehrsmeldungen – Tagesbrüche allerorten

Dabei sind solche „Tagesbrüche“ in alten Bergbauregionen, und dazu zählen in NRW neben dem Ruhrgebiet einige weitere, große Teile der Mittelgebirge, so sehr an der Tagesordnung, dass sie nur regionale Beachtung finden. So taten sich am Rande des Bergischen Landes, in Bensberg (Zink- und Bleierzbergbau) und in Ratingen (Erzbergbau) unvermutet Schächte auf. In Ratingen musste sich, wie Medien berichteten, das zuständige Bergamt von Lokalhistorikern belehren lassen, dass hier sogar ein fotografisch dokumentiertes Schachthaus existiert habe; entsprechend bissig fielen zahlreiche Kommentare aus. Mit der Kenntnis und Dokumentation historischer Grubenbaue scheint es, so wird suggeriert, nicht immer zum Besten zu stehen – sträflicher Leichtsinn, weil dies leicht zur Bedrohung für Leib und Leben werden kann.­
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Bochum/Witten: Hommage zum 100. Todestag des Bergarbeiterdichers Heinrich Wilhelm Kämpchen(1847-1912) am 6. März 2012

­Im heutigen Essen, in Altendorf an der Ruhr, geboren; in Linden (heute Bochum) gelebt, gearbeitet, gedichtet und begraben: Heinrich Kämpchen, ein Sohn des Ruhrgebiets, ein Bergmann und Dichter, der sich bis zum Tod mit seinen Versen für die Rechte und die Einigkeit unter den Bergleuten einsetzte. Mehr als tausend Gedichte hat er hinterlassen: zur Heimat, zur Bergarbeit und ihren Unglücken und Konflikten im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, zum Alltag und vielen anderen Themen der Zeit. Die Bergarbeiter kannten seine „Bergarbeiterlieder“ aus der „Bergarbeiter-Zeitung“; den Bergwerksbesitzern und Ämtern war er auch bekannt, denn er „huldigte“ der Sozialdemokratie und war einer der gewählten Zechendelegierten beim großen Bergarbeiterstreik von 1889. 4000 Menschen folgten im März 1912 dem Trauerzug vom Sterbehaus zu seinem Grab auf dem katholischen Friedhof in Linden.

An seinem 100. Todestag am 6. März erinnert das „LWL-Industriemuseum“ (an seinem Standort Zeche Nachtigall in Witten) zusammen mit dem „Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt“, Dortmund an den Menschen Heinrich Kämpchen und an sein vielfältiges Werk, das zum immateriellen Erbe des Industriezeitalters gehört.
Wir folgen Kämpchens Spuren im Ruhrgebiet. Begleitend rezitieren die Musiker und Schauspieler „Duo Sago“ seine Verse und präsentieren erstmals vertonte Gedichte des Ruhrgebietspoeten, dessen Lieder zu Unrecht weitgehend in Vergessenheit geraten sind.

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall, Witten

Nachtigallstr. 35­
Dienstag, 6. März, 19.00 Uhr

Die Veranstaltung wird umrahmt mit Musik der Zeit; in der Pause gibt es ein kleines gastronomisches Angebot.

Quelle: Presse- und Informationsamt Bochum

Marburg: Workshop „Industriekultur an Lahn und Dill“ am 1. und 2. Februar 2012

­Zwar gebe es in dieser Region zahlreiche Museen, Vereine und Einzelinitiativen zur Industriegeschichte, die jedoch bislang wenig miteinander vernetzt seien. Der Workshop biete die Gelegenheit, die Aktivitäten verschiedener Einrichtungen (Denkmalschutz, Museen, Archive) und Organisationen (Vereine, Initiativen, Einzelpersonen) vorzustellen und den Austausch untereinander zu intensivieren. Für Ende des Jahres 2012 sind eine Ausstellung zum Thema „Industriekultur an Lahn und Dill“ in der Universitätsbibliothek der Philipps-Universität sowie eine Publikation geplant.

Programm:

Mittwoch, 1. Februar 2012

14.00 Prof. Dr. Christian Kleinschmidt (Philipps-Universität Marburg)
Begrüßung und Einführung in den Workshop

14.15 Dr. Peter Schirmbeck (Initiator der Route der Industriekultur
Rhein-Main):
Die Route der Industriekultur Rhein-Main. Entwicklung und Erfahrungen

15.30 Kaffeepause

15.45 Kristin Schubert M.A. (Landesamt für Denkmalpflege Hessen)
Aufgabengebiete des Landesamts für Denkmalpflege Hessen im Bereich
Industriedenkmale /technische Denkmale

16.15 Dr. Ulrich Eisenbach (Hessisches Wirtschaftsarchiv Darmstadt)
Das Hessische Wirtschaftsarchiv und seine mittelhessischen
Archivbestände

16.45 Gerald Bamberger M.A. (Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf)
Montanindustrie im ehemaligen Kreis Biedenkopf – ihre Dokumentation und
Erforschung

17.15 Prof. Dr. Otto Volk (Hessisches Landesamt für geschichtliche
Landeskunde)
Das Projekt "Industriekultur an Lahn und Dill" und das Modul
"Industriekultur in Hessen" im Landesgeschichtlichen Informa-tionssystem
Hessen (LAGIS)

Donnerstag, 2. Februar 2012

9.00 Johannes Laubach (Frankfurter Neue Presse / Societäts-verlag)
Das Kerkerbachtal: Von der Industrie- und Arbeitsstätte zum Freizeit-
und Erholungs-gebiet

9.30 Dr. Christoph Bartels (Deutsches Bergbau-Museum Bochum)
Zur Geschichte des Dachschieferbergbaus in den ehemaligen Nassauischen
Territorien im Rheinischen Schiefergebirge

10.00 Marion Kaiser (Deutsches Bergbau-Museum Bochum):
Die Gewinnung und Verarbeitung von Kalkstein als Marmor in der
Lahnregion im 18. und 19. Jahrhundert

10.30 Kaffeepause

11.00 Dörte Lenz / Sonja Kunze (NINO. Netzwerk industriekultur
nordhessen / Fördergesellschaft Nordhessen mbH)
Das Netzwerk Industriekultur (nino) und der Blaue Sonntag in Nordhessen

11.45 Fritz Brinkmann-Frisch (Dokumentations- und Informationszent-rum
Stadtallendorf)
Der Industriestandort Allendorf von der NS-Zeit bis in die
Nachkriegsjahre

12.15 Ergebnisse des Workshops und Schlussdiskussion

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Teilnahme kostenfrei und ohne Voranmeldung!

Zur Website des Veranstalters mit Programm als Download­
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Tagungsbericht auf HSozKult

 

Selb: Fotoausstellung „Ära Porzellan – Wertschätzung der Vergangenheit / Eine fotografische Geschichte zur Industriekultur“ von Peter Hirsch und Jutta Bender im Porzellanikon

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Im August 2004 waren, so das Museum weiter, die beiden Fotografen entlang der Porzellanstraße auf der Suche nach der bekannten Porzellanregion in Nord-Ost-Bayern. Dabei stießen sie auf die bereits seit zehn Jahren stillgelegte Porzellanfabrik Carl Schumann. Damit begann für sie eine ganz persönliche Entdeckung, die sie als Beispiel einer Epoche, die Erfolgsgeschichte eines Unternehmers und des Unternehmens, seinen Aufstieg und seinen Niedergang beschreiben.

Es sind erstaunliche Bilder, die den beiden Fotografen gelungen sind. Sie wirken fast wie Stillleben, die die Tragik fassbar werden lassen, die mit Schließung, Verfall und schließlich Abriss verbunden waren und sind. Dennoch wirken die Fotografien auf den Betrachter nicht traurig, sondern sie fangen ihn ein. Man sieht die Arbeiter förmlich, wie sie von der Frühstückspause aufgestanden sind, wie sie das letzte Mal die die Schicht zu einem guten Ende gebracht haben und dann wie gehabt alles stehen und liegen gelassen haben, als bestünde noch die Hoffnung auf eine Rückkehr.

Die meist großformatigen Fotos, die in der neuen Ausstellung zu sehen sind, lassen den Stolz der Erbauer und architektonische Details nachvollziehen. So zum Beispiel die ­Treppenhäuser aus den 30er Jahren, ganz im Stil der neuen Sachlichkeit erbaut, die bunten Fenster, um 1910 entstanden, noch vom Jugendstil geprägt, die neue Fabrikantenvilla, die einst stolz die Besucher empfing, sie alle erzählen von der beeindruckenden Geschichte des Arzberger Unternehmens.

Dem Museumsteam geht es aber nicht nur um einen Rückblick. Vielmehr geht es ihm darum, mit der neuen Ausstellung auf den bewussten Umgang mit Zeugen der Vergangenheit hinzuweisen. Museumsdirektor Wilhelm Siemen: ,,Es geht uns darum, Zukunftschancen aufzuzeigen, auch wenn eine Industrie sich zurückzieht. Denn dann muss Neues wachsen, nicht geschichtslos, sondern der eigenen Stärke und Tradition bewusst.’’

Ein weiteres Anliegen der Ausstellung ist es, die in Planungen befindlichen und bereits verwirklichte Projekte vorzustellen, die zeigen, was möglich ist, wenn mit Industriebrachen verantwortungsvoll umgegangen wird, also mit dem ,,Nachher’’.

Daher wird zum Ende der Ausstellung unter dem Motto: ,, Industriedenkmale in Oberfranken. Chancen der Nachnutzung von Industrieensembles“ ein internationales Symposium stattfinden. Es wird sich mit dem Thema ,,Zwischen Denkmal und Vergessmal’’ befassen, Dabei geht es um die Industriedenkmalpflege und Varianten der Nachnutzung historischer Produktionsgebäude und Areale, was beispielhaft durch die Wiederbelebung der ehemaligen Heinrich-Fabrik in Selb dokumentiert wird.
Zudem wird es rund um die Ausstellung unter anderem auch noch Fachvorträge, eine Besichtigungstour zu Fabrikantenvillen in Oberfranken und ein Kaffeetrinken mit Schumann-Porzellan geben.

Die Ausstellung kann bis zum 22. April 2012 besichtigt werden. Öffnungszeiten im Porzellanikon sind von Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr.
Zur Ausstellung ist ein Begleitband erschienen. Er ist im Buchhandel und im Porzellanikon erhältlich für 19,90 Euro [ISBN-978-3-940027-15-3]

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