Archiv für den Monat: April 2010

Dinslaken: Ausstellung mit Graphiken des Künstlers Rainer Engelke im Rahmen von ruhr.2010

Eine Werkgruppe stellt die Komponenten der Energieerzeugung durch Steinkohle dar, mit der sich der Maler und Zeichner Rainer Engelke erstmals 1987 bei der Mitarbeit am Buch Strom aus Steinkohle (1988 herausgegeben von der Steag AG, Essen) auseinander setzte. Seit 2008 widmete sich der Künstler diesem Thema erneut beim Bau der Kraftwerkserweiterung Walsum Block 10.

Gleichzeitig verfolgte er in einer Langzeitstudie den Abriss des Bergwerks Walsum an gleicher Stelle. Zwei gegenläufige Prozesse, die durch Verschwinden und Neuerrichtung ineinander griffen. Es ist der zweite Bildkomplex der Ausstellung, der Abriss und Aufbau industrieller Architektur darstellt.

Bilder von Orten und Architekturen unter dem Blickwinkel des Alltäglichen machen den dritten Schwerpunkt der Ausstellung aus: Gebäude, die auf die Umnutzung oder den Abriss warten; Brachen, die von der Natur zurückerobert werden; Freiflächen mit ungeklärter Bestimmung; Gebäude, die umgenutzt wurden, ohne dass deren Äußeres an die neue Nutzung angepasst wurde. Die Bildreihen versetzen den Betrachter bisweilen in eine bizarre, von rätselhaft, zeichenhaft wirkenden Konfigurationen durchsetzte Welt, die in einem ambivalenten Zustand befindet.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Dauer: 11. 4. 2010  –  6. 6. 2010, 14.00 – 18.00 Uhr

Museumseintritt 1,50 (erm.: 1,-)

Museum Voswinckelshof

Elmar-Sierp-Platz 6

46535 Dinslaken

Telefon: 02064-2449

 

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Pressebericht

 

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Köln: Ehemalige Müllverwertungs-Anstalt soll in Kürze abgebrochen werden

Die „Müllverbrennungs- und Verwertungsanstalt“ in der Emdener Strasse war das Herzstück einer in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre umgesetzten innovativen Müllentsorgung in den zentralen Kölner Stadtteilen. Hierfür wurde der Müll in sog. „Wechseltonnen“ gesammelt und mit Elektrokarren zu insgesamt acht Umladestationen gebracht. In Großraumwagen wurde er von dort nach Niehl transportiert. Den Bau der Verwertungsanlage in Niehl hatte der Stadtrat am 26. November 1925 beschlossen. Man entschied sich dabei für das System der „Musag“; die „Müll- und Schlackenverwertungsanlagen AG“ war eine Gemeinschaftsgründung eines Berliner Unternehmens und der traditionsreichen Kalker Maschinenbauanstalt Humboldt. Das Konzept der Musag sah vor, die für Köln charakteristische, kaum brennbare Braunkohle-asche herauszusieben und den verbleibenden Grobmüll zu verbrennen. Aus der Braunkohlenasche sollte in einem Sinter- bzw. Schmelzverfahren eine harte Schlacke erzeugt werden, aus der Pseudo-Vulkansteine und Platten hergestellt werden sollten. Zudem sollten Dampfturbinen in der Müllverbrennungsanlage Strom für die städtischen Elektrizitätswerke erzeugen. Zwar wurden die auf der für diese Zeit typischen Rationalisierungs- und Verwertungsgedanken und die damit verbundenen hochtrabenden Gewinnerwartungen der Musag bereits durch stadteigene Berechnungen gedämpft; trotzdem versprach sich auch der Stadtrat von dem Projekt zumindest einen ausgeglichenen Betrieb. Als Musteranlage sollte die Müllverwertung zudem der Förderung der lokalen Industrie sowie der Werbung für das neue Niehler Industriegebiets dienen.

Im September 1926 begannen die Bauarbeiten; am 1. April 1928 konnte der Probebetrieb in Verbrennungsanlage und Steinfabrik aufgenommen werden. Während die Verbrennung des Grobmülls weitgehend reibungslos funktionierte, stiess die Sinterung der Asche und die Herstellung der Schlackeprodukte auf ständige technische Probleme. Als aufgrund der Weltwirtschaftskrise auch noch der Absatz wegfiel, stellte man die Steinproduktion ein und musste so auf die geplante Gegenfinanzierung verzichten, was zu hohen Kosten führte. Altenativ versuchte man, die Schlacke als Düngemittel abzusetzen; schließlich blieb nur die Deponierung.

Die aufgrund des geplanten Mustercharakters der Anlage aufwendige architektonisch-städtebauliche Gestaltung der Anlage übertrug man Hans Mehrtens, einem der Mitarbeiter der Stadtbaurats Adolf Abel. Dieser schuf ein eindurchsvolles Bauensemble in Stahlfachwerk mit Backsteinausfachung, das in seiner Verbindung von betonter Funktionalität und strenger Symmetrie die Vorgänge im Innern durch ihre baulichen Hüllen sichtbar machte. Der Müll wurde in einer großen Halle angeliefert, unterirdisch gesammelt und über zwei auch aussen sichtbare Förderanlagen aufwärts transportiert, um die Siebanlage zu durchlaufen. Der zur Verbrennung vorgesehene Müll wurde in Öfen verbrannt, in deren Kessel Heißdampf zur Stromerzeugung produziert wurde. Der „Feinmüll“ wurde – so zumindest die ursprüngliche Idee – in anderen Ofenanlagen zu Schlacke gesintert und dann in einer „Steinfabrik“ weiterverarbeitet. Heute nicht erhalten ist das hochaufragende Kesselhaus der Ofenanlage; die Bauten der Steinfabrik sind dagegen noch erhalten.

Schon nach gut zehn Jahren, im März 1939, wurde die Müllverbrennung wieder eingestellt und der Müll ausschließlich deponiert. Die Baulichkeiten wurden wohl zu Beginn des Zweiten Weltkrieges von der Chemieanlagenfirma Schmidding übernommen. Ihre Rakatenantriebe spielten eine bedeutende Rolle in der Rüstungspolitik. Nach dem Weltkrieg betätigte sich Schmidding im Spezial-Chemieanlagenbau.

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Der Architekt Hans Mehrtens blieb auch in den 1930er Jahren in Köln aktiv; sein bedeutendstes – und heute schrittweise restauriertes – Werk ist der 1935/36 errichtete Flughafen Butzweiler Hof. Nach dem Krieg war Mehrtens Professor für Entwerfen und Industriebau an der RWTH Aachen.

Die ehemalige Kölner Müllverwertungs-Anstalt ist ein ungewöhnlich vielschichtiges Denkmal. Als ambitionierte, aber gescheiterte Investition dokumentiert sie die städtischen Bemühungen um auch ökonomisch profitable Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur einerseits und das Innovationsstreben der Kölner Industrie andererseits.

Siedlungs- und baugeschichtlich steht sie zum einen für den Beginn der Erschließung des neuen Industriegebietes am Niehler Hafen, zum anderen für das hohe architektonische Niveau der kommunalen Bauverwaltung, die hier einen der überzeugendsten modernen Industriebauten der Zeit realisierte. Dass dieser Rang seinerzeit wahrgenommen und anerkannt wurde, zeigen die nicht wenigen zeitgenössischen Veröffentlichungen.

Dank der frühen Umnutzung durch die Schmidding-Werke, die ihrerseits weitere qualitätvolle Bauten in dem Areal erstellt haben, blieb auch über den Weltkrieg hinweg dieses herausragende industriearchitektonische Ensemble in großen Teilen original erhalten. Seit geraumer Zeit ist es allerdings weitgehend um- bzw. ungenutzt; im März 2010 verliess der letzte Mieter das Areal. Die Eigentümer planen nach eigenen Angaben, auf dem Gelände ein Logistikcenter zu errichten. Mit dem Abbruch der Altbauten solle in Kürze begonnen werden, hieß es von mehreren Seiten.

Der Rheinische Verein setzt sich deshalb gemeinsam mit seinen Partnern im Kölner Haus der Architektur, dem Architekturforum Rheinland und dem Verein Rheinische Industriekultur, mit Nachdruck dafür ein, dieses bedeutende industrie-, architektur- und stadtgeschichtliche Monument endlich in die Denkmalliste aufzunehmen und damit das öffentliche Interesse an seinem Erhalt deutlich zu machen. Dies könne die Grundlage eines angemessenen und zukunftsfähigen Nutzungs- und Entwicklungskonzeptes für Bauten und Gelände bilden.

Zum Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers

Nachtrag: Pressemeldung zum Abbruch

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Waltrop-Henrichenburg: Industriepionier unter drei Kaisern – LWL-Industriemuseum im Schiffshebewerk zeigt Ausstellung über den Schiffbauingenieur Rudolph Haack

Bilder, Dokumente und Schiffsmodelle – viele davon bisher unbekannt – werfen Schlaglichter auf das Arbeitsleben Haacks, auf die Schifffahrtsgeschichte und die Industrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Präsentation im Hafenmeistergebäude findet begleitend zur Kulturhauptstadt-Ausstellung "Helden. Von der Sehnsucht nach dem Besonderen" statt, die der LWL bis zum 31. Oktober in seinem Industriemuseum Henrichshütte Hattingen zeigt.

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­­Schiffbauingenieur Rudolf Haack in einem zeitgenössischen Porträt (Repro: LWL)

Rudolph Haack wurde am 17. Oktober 1833 in Wolgast/Pommern geboren. Er starb 1909 und erhielt an der Schachtschleuse Henrichenburg in Waltrop ein bemerkenswertes Denkmal. Dazwischen liegt eine außergewöhnliche Karriere. Während einer Bildungsreise in England lernte Haack, Meister für den Holzschiffbau, um 1850 den industriellen Eisenschiffbau im großen Stil kennen. Großbritannien war zum Lehrer Europas geworden. In Deutschland steckte der industrielle Schiffbau noch in den Anfängen. Kapital wurde gebraucht, Fachleute waren gesucht.

1856 wurde in Grabow bei Stettin an der Oder die Maschinenbau-Actiengesellschaft "Vulcan" gegründet. Am Aufbau ihres Werft-Betriebs war der Schiffbaumeister Rudolph Haack von Anfang an beteiligt. 15 Jahre später wurde unter seiner Leitung zum ersten Mal ein großes Panzerschiff für die kaiserliche Marine auf einer Privatwerft gebaut. Für den jungen Prinzen Wilhelm, den späteren Kaiser Wilhelm II., blieb der Stapellauf der "Preussen" am 22. November 1873 ein unvergessliches Kindheitserlebnis. In mehreren Reden und in seinen Erinnerungen kam Kaiser Wilhelm II. darauf zurück. Große Schiffe aus Eisen brauchten nun nicht länger in England gekauft zu werden.

Rudolph Haack stieg zum Schiffbaudirektor der "Vulcan" auf. Weitere bedeutende Schiffsbauten folgten. Darunter das Panzerschiff "Ting Yuen" für die chinesische Marine. Auch andere Werften und die deutsche Eisen- und Stahl-Industrie profitierten davon. England bekam Konkurrenz. Die Befreiung von britischem Know-how war eingeleitet. Haack hat diesen Umbruch vom Holzschiffbau zum Eisen- und Stahlschiffbau eingeleitet. Schon zu Lebzeiten war er in Fachkreisen eine Legende.

1887, nach 30 Jahren, endete Haacks Arbeit für die Stettiner "Vulcan". Eine zweite Karriere als unab-hängiger Ingenieur, als Gutachter und als Forscher folgte. Haack hielt Vorträge zu aktuellen Fragen aus der militärischen und der zivilen Schifffahrt. Für das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten begutachtete er Entwürfe für das Schiffshebewerk Henrichenburg am geplanten Dortmund-Ems-Kanal, und er untersuchte den Wasserwiderstand von Schiffen auf diesem Kanal. Er erhielt den Titel Königlicher Baurat und wurde zum Mitglied der Akademie des Bauwesens berufen. Die honorige Schiffbautechnische Gesellschaft, deren Gründung er mit befördert hatte, verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft.

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Das Schiffshebewerk Henrichenburg (1899) bei Waltrop: Rudolph Haack war als Gutachter bei den vorbereitenden Planungen beteiligt (Repro: LWL)

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Erstmals versucht eine Ausstellung, Haacks Arbeitsleben an Hand von Bildern und Dokumenten aus der zivilen Schifffahrt und aus der Marine darzustellen. Was verbindet Haack mit China? Welche Rolle spielte er in dem brisanten Streit, der bis in die höchsten Kreise der Marine führt? Warum akzeptierte Kaiser Wilhelm II. ihn als unparteiischen Gutachter? Auf den Grundlagen neuer Forschung und Quellen hat Dr. Eckhard Schinkel, Wissenschaftlicher Referent beim LWL-Industriemuseum, eine Ausstellung entworfen und ein Buch mit herausgegeben, das ein faszinierendes Geschichtspanorama mit Schlaglichtern auf das Arbeitsleben Haacks, auf die Schifffahrtsgeschichte und die Industrie in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wirft.

Ist Rudolph Haack ein "Held der Technik"? Selbst seine Weggefährten und Zeitgenossen hätten ihn wohl kaum mit so einem Schlagwort belegt. Rudolph Haacks Arbeitsleben und seine einzigartige Karriere sind ein Spiegel für wesentliche Entwicklungen der Industrialisierung und Maritimisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Ausstellung und Begleitbuch sind Ergebnisse der Forschungs-Kooperation des Deutschen Schiffahrtsmuseums Bremerhaven, und des LWL-Industriemuseums.

Am Sonntag, 25. April, um 11 Uhr wird die Ausstellung von Gertrud Welper, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe, eröffnet. Dr. Eckhard Schinkel führt in die Ausstellung ein. Der Saxophonist Claudius Reimann wird mit verschiedenen Saxophonen den Rahmen für die Eröffnungsveranstaltung bilden.

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Historischer Plan der Schachtschleuse Henrichenburg (Repro: ­LWL)

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Köln: Vom Bahnhof zum Haltepunkt Porz: Ein Bahnhofsschicksal

Die Eisenbahnverbindung zwischen Köln und Siegen entlang der Sieg gehört zu den interessantesten und wichtigsten Bahnstrecken im Rheinland, verband sie doch die Handelsmetropole am Rhein mit dem traditionsreichen südwestfälischen Industriegebiet. Nachdem bereits 1859 ein Bahnhof in Wahn eingerichtet worden war, entstand 1874 auch ein Bahnhof zwischen Porz und Urbach. Er wurde zum Ausgangspunkt mehrerer Industrieansiedlungen, so der Germania-Spiegelglaswerke, heuteindrucksvolles Denkmalensemble, sowie der Dielektra-Werke.­­

Mit der Eingemeindung von Porz nach Köln im Jahre 1975 und dem Rückgang des Speditions- und Güterbetriebs reduzierte sich die Bedeutung der Porzer Bahnhofs im fortgeschrittenen 20. Jahrhundert immer mehr; nur als Haltepunkt für den regionalen Nah- und Pendelverkehr kam ihm noch Bedeutung zu.

Der Ausbau der rechtsrheinischen Strecke von Köln-Deutz über den Flughafen Köln-Bonn nach Siegburg, Bonn und Frankfurt für den ICE-Hochgeschwindigkeitsverkehr brachte 1999 den ersten Verlust: das 1874 errichtete, gut erhaltene spätklassizistische Bahnhofsgebäude – das letzte seiner Art in Köln – musste der neuen Trasse weichen. Erhalten blieb der gleichzeitige Mittelbahnsteig mit seiner gusseisernen Schutzdachkonstruktion – ebenfalls einmalig in Köln. Doch nach zehn weiteren Jahren war auch damit Schluss: Für insgesamt 12 Mio. Euro, so die Bahn, wurde zusammen mit einer neuen Strassenunterführung auch ein neuer Nahverkehrsbahnsteig einrichtet (DB-Mitteilung). Anfang 2010 wurde der alte Bahnsteig abgeräumt. Die Denkmalbehörde liess zuvor nach eigenen Angaben eine Dokumentation anfertigen.

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Verschrottet wurde das vermutlich fast 130 Jahre alte Perrondach aber nicht. Während in Porz nun nur noch ein ehemaliges Beamtenwohnhaus sowie der Güterschuppen an das Alter des Bahnhofs erinnern, fanden die Stützen der Bahnsteigüberdachung bei den Eisenbahnfreunden Hahn-Hochdahl bei Düsseldorf ein neues Zuhause (Mitteilung). „Wegen des schon erfolgten Abriss(es) des alten Bahnhofsgebäudes“ bzw. „durch einen Neubau“ hätten sie „ihre Bestimmung bzw. … ihren Bezug“ verloren. Ob der Bezug der Porzer zu ihrem historischen Denkmal auch eine Rolle spielte, geht aus der Mitteilung dagegen nicht hervor.

 

­Weitere Fotos I

Weitere Fotos II

 

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Leverkusen: Wanderfische statt Wasserkraft: Umgehung des Wehrs am Freudenthaler Sensenhammer fertiggestellt

­Nach über 200 Jahren sei die Dhünn in Leverkusen-Schlebusch am Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer wieder durchgängig. Somit ist die 24 Kilometer lange Gewässerstrecke von der Dhünn-Mündung bis zum Staudamm der Großen Dhünn-Talsperre für Fische und Kleinlebewesen wieder frei. Die Fische können ungehindert zu ihren Laichplätzen im Gewässersystem der Dhünn und ihrer Nebenbäche gelangen.­
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Der Wupperverband hat Anfang März nach vierwöchiger Bauzeit die Verlegung der Dhünn um das Wehr des Sensenhammers abgeschlossen. Statt wie bisher über das Wehr fließt die Dhünn nun um die Anlage herum. Die Dhünn hat in diesem Bereich auf einer Länge von rund 150 Metern ein naturnahes, für Wanderfische durchgängiges Bachbett erhalten. Natursteine sorgen für abwechslungsreiche Strömungen und Ruhezonen. In Teilbereichen werden am Ufer Erlen und Weiden angepflanzt. Die Arbeiten wurden im Rahmen der Gewässerunterhaltung des Verbandes durchgeführt. Für die Baukosten in Höhe von rund 35.000 Euro erhält der Verband eine 80-prozentige Förderung aus dem Programm „Lebendige Gewässer“ des Landes Nordrhein-Westfalen.

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Bereits im 18. Jahrhundert war die Dhünn erheblich umgestaltet worden, um den Sensenhammer mit dem nötigen Wasser aus der Dhünn zu versorgen. Die heute unter Denkmalschutz stehende Wehranlage sowie das System aus Ober- und Untergraben stellten in der Vergangenheit sicher, dass zum Betrieb der Wasserkraftanlage ausreichend Wasser zur Verfügung stand. Durch den Bau der Großen Dhünn-Talsperre, die das Dhünn-Wasser für die Trinkwasserversorgung von Leverkusen, Wuppertal, Remscheid und anderen Städten aufstaut, hatte sich die Wasserversorgung der Anlage jedoch deutlich verschlechtert. Für Fische und Kleinlebewesen im Gewässer stellte die Wehranlage ein unüberwindbares Hindernis dar.

Im November 2009 wurden durch die Vertragsunterzeichnung zwischen dem Förderverein Freudenthaler Sensenhammer e. V., der Stadt Leverkusen, der Bezirksregierung Köln und dem Wupperverband die Weichen gestellt, um die Durchgängigkeit der Dhünn wieder herzustellen. Der Förderverein stellt die Wasserkraftnutzung ein und hat für die Aufgabe der Wasserrechte eine Entschädigungssumme von der Bezirksregierung erhalten. Durch diese einvernehmliche Lösung haben die Beteiligten nun einen großen Schritt getan, um die Wiederansiedlung von Wanderfischen in den Nebenflüssen des Rheins zu unterstützen.

Bereits seit 1998 werden im Rahmen des Wanderfischprogramms des Landes Nordrhein-Westfalen Lachse und andere Wanderfische in den Nebenflüssen des Rheins ausgesetzt. Die Dhünn ist aufgrund ihrer guten Wasserqualität Bestandteil des Wanderfischprogramms.

Die Beseitigung von Hindernissen in den Flüssen und Bächen ist eine wichtige Voraussetzung für die Rückkehr der Wanderfische. Auch für den „guten Zustand“ aller Gewässer, den die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert, ist die Durchgängigkeit als eines der Merkmale einer guten Gewässerstruktur ein wichtiges Kriterium.

Informationen zur Wasserrahmenrichtlinie der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (bitte anklicken!)

(Fotos: Regionale 2010)

 

 

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