Archiv für den Monat: Juli 2008

Canfranc/Spanien: Prunkbahnhof in den Pyrenäen wird zur Luxusherberge umgebaut

Im Jahre 1912 war mit dem Bau der Hochgebirgsstrecke von Pau über Oloron und das Aspe-Tal, durch einen Tunnel unterhalb des Somport-Passes bis ins spanische Tal und weiter über Jaca nach Saragossa begonnen worden (Info). 1918 erreichte der erste Zug von Frankreich kommend die spanische Seite. 1927 wurde der Betrieb aufgenommen, aber erst 1928 wurden die Arbeiten endgültig abgeschlossen. Am 18. Juli 1928 wurde der Bahnhof durch den spanischen König Alphons XIII. und Gaston Doumergue, Präsident der französischen Republik, eingeweiht.

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Ein Brückeneinsturz auf französischer Seite am 27. März 1970, ausgelöst durch einen Eisenbahnunfall, führte zur Aufgabe der wenig frequentierten Strecke im Aspe-Tal, die heute weitgehend abgebaut ist; heutiger Endbahnhof ist Oloron. Auf spanischer Seite verkehren bis heute zwei Züge täglich bis Canfranc-Estacion.

Mit dem von heftigen Protesten begleiteten Bau eines Straßentunnels durch das Somport-Massiv, der 2003 fertiggestellt wurde, stieg die Verkehrsbelastung in den betroffenen Pyrenäentälern stark an. Eine Wiederaufnahme des Bahnverkehrs in den Zentralpyrenäen – derzeit bestehen nur Bahnverbindungen entlang der Küsten – wird deshalb auch unter Umweltgesichtspunkten diskutiert (siehe CRELOC).

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Hauptgrund für den Bau von Canfranc war, den Reisenden die Wartezeit beim Umladen und Umspuren der Züge wegen der unterschiedlichen Spurweiten zu verkürzen und ihnen das Erlebnis der Hochgebirgslandschaft zu ermöglichen.

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Die Sanierungsarbeiten am Empfangsgebäude von Canfranc begannen 2006; derzeit ermöglicht ein riesiges Schutzdach die Erneuerung der Dachkonstruktion und der Außenfassaden weitgehend unabhängig von der Witterung. Ursprünglich sollte das geplante Luxushotel – nach anderen Quellen eine Wohnanlage – bereits 2007 fertiggestellt werden. Die die Ortschaft Canfranc-Estacion prägenden Wohnblocks für Eisenbahnmitarbeiter wurden bereits weitgehend saniert und teilweise als Zweitwohnungen vermarktet. Zusätzliche Neubauten nehmen auch erforderliche Infrastruktur auf.

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Bisher unverändert sind die übrigen, groß dimensionierten Eisenbahnanlagen wie Bahnsteige, Ringlokschuppen und Wagenhallen, die teilweise seit Jahrzehnten ungenutzt stehen; auf einer Länge von 1,2 km besitzt der Bahnhof 27 km Gleise. Ob ein Konzept für die Entwicklung des Bahngeländes besteht, ist nicht bekannt; angeblich sollen die Wagenhallen in Kürze abgebrochen werden.

Anläßlich der 80jährigen Wiederkehr der feierlichen Einweihung der heute „Internationaler Bahnhof“ genannten Station wurde eine Fotoausstellung eröffnet, die bis 2009 an verschiedenen Orten der Region Saragossa gezeigt wird. Nähere Informationen hier.

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Die deutschen Fotografen Matthias Maas, Würzburg, und Stefan Gregor, Aschaffenburg, haben in den 1990er Jahren ein umfangreiches fotografisches Dokumentations-Projekt zum Bahnhof umgesetzt und in mehreren Ausstellungen gezeigt (www.canfranc.de).

Beste Informationsgrundlage für den Bahnhof Canfranc und die Bahnstrecke ist der französische Wikipedia-Eintrag.

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Essen: Kolloquium Denkmäler3.de zu neuen Dokumentationsmethoden in Industriearchäologie und Denkmalpflege vom 5. bis 7. November 2008

In Vorträgen und Diskussionsrunden sollen drängende Fragestellungen zur Dokumentation in der Archäologie erörtert und diskutiert werden.

Themen, wie   * Techniken der örtlichen Dokumentation* Archive und Archivrecherche* Datenverwaltung und Nutzung in Informationssystemen* Datenpräsentation (lokal und über das Internet)* Rechtliche Fragestellungen* Kooperation mit Investoren und Eigentümern (vor, während und nach einer Baumaßnahme)

stellen nur einen Auszug möglicher Beiträge dar.

In Nachfolge des Kolloquiums Denkmäler 3D, das vom 6.-8. November 2003 im Ruhrlandmuseum in Essen stattfand, bietet Denkmäler3.de den Vortragenden der technischen Disziplinen die Möglichkeit zur Präsentation aktueller technologischer Entwicklungen. Denkmalpfleger und Archäologen finden eine Plattform vor, um sich über modernste Möglichkeiten bei der Dokumentation und Rekonstruktion von industriearchäologischen Relikten, Industriedenkmälern und -gebäuden und dem Stand der Forschung im internationalen Vergleich zu informieren.

Ziel des Kolloquiums ist es, den derzeitigen Stand der Dokumentation von Bau- und Bodendenkmälern zu erörtern, neue Ansätze und Entwicklungen aus diesem interdisziplinären Arbeitsgebiet vorzustellen, Lösungsansätze für die praktische Nutzung aufzuzeigen und zukünftige Entwicklungen und Verfahren anzuregen.

Eine begleitende Fachausstellung mit Entwicklern, Geräteherstellern und Dienstleistern aus dem Bereich optischer 3D-Messtechnik (z. B. Laserscanning, Photogrammetrie, Streifenprojektion etc.), Geoinformation sowie Grabungsfirmen rundet die Tagung ab.

Deadline für die Einreichung eines Abstracts ist der 1. September 2008; bis zum 21. September kann sich mit „Frühbucherrabatt“ angemeldet werden.

Aktuelle Informationen über das Programm bietet die Website der Tagung: www.denkmäler3.de

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Kostproben zum „Ruhrgebiet virtuell“: www.ruhrzeiten.de

(Stadtarchäologischer Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 – Visualisierungen der Kulturlandschaft in Essen, Dortmund und Duisburg)

(siehe auch die Abbildungen in dieser Meldung)

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Köln: Kostspielige Verjüngungskuren für die Rheinbrücken

Während die beiden Eisenbahnbrücken sowie die beiden Autobahnbrücken der Deutschen Bahn bzw. dem Bund gehören und – weitgehend – von diesen unterhalten werden müssen, fallen die innerstädtischen Straßenbrücken in den Zuständigkeitsbereich der Kommune. Die Stadt Köln ist als sogenannter Baulastträger zur ständigen Unterhaltung ihrer vier Rheinbrücken verpflichtet. Dies erfolgt durch umfangreiche Bauwerksprüfungen, die alle drei Jahre wechselweise als Haupt- und Einfachprüfungen vorgenommen werden. Dabei geht es in erster Linie darum, die Verkehrssicherheit, die Standsicherheit und die Dauerhaftigkeit der Bauwerke festzustellen.Trotz der Notwendigkeit, die in die Jahre gekommenen Brücken grundlegend zu sanieren, befinden sich alle vier Bauwerke nach wie vor in einem sicheren Zustand und sind sowohl für den Individualverkehr als auch für den öffentlichen Nahverkehr weiterhin uneingeschränkt nutzbar.

Mit der Überprüfung der vier Brücken hat das Amt für Brücken und Stadtbahnbau im März 2005 die „Arbeitsgemeinschaft Kölner Rheinbrücken“ beauftragt. Auch für die Zoobrücke und die Deutzer Brücke liegen nun die Ergebnisse der eingehenden Bauwerksprüfung vor, die die Stadt Köln für vier Kölner Brücken in Auftrag gegeben hatte. Demnach ergibt sich, wie schon Ende 2006 für die Severinsbrücke und die Mülheimer Brücke festgestellt, auch für diese beiden Brückenbauwerke ein umfangreicher Sanierungs- und Instandsetzungsbedarf. Trotz des sicheren Zustandes sind an den beiden Seilbrücken umfangreiche Instandsetzungsarbeiten erforderlich, damit sie auch auf die nächsten Jahrzehnte hinaus frei von gravierenden Schäden bleiben. Die Stadt wird in kürze damit beginnen, für die Severinsbrücke und die Mülheimer Brücke ein auf mehrere Jahre angelegtes Generalsanierungskonzept umzusetzen. Bei der Severinsbrücke sowie der Mülheimer Brücke werden umfangreiche Sanierungen erforderlich, insbesondere an den Tragseilen, den Geländern und den Fahrbahn-, Gehweg- und Radwegbelägen, ebenso wie Betonsanierungen an den Brückenrampen und die Beseitigung von Korrosionsschäden (Pressemitteilung).

Die Kosten für die Generalsanierungen sind erheblich. Für die Severinsbrücke ist mit einem Aufwand von rund 24 Millionen Euro zu rechnen, die Mülheimer Brücke erfordert je nach Instandsetzungsvariante zwischen 35 und 44 Millionen Euro. Für die Severinsbrücke und die Mülheimer Brücke waren also Sanierungskosten von zusammen 59,2 bis 72,2 Millionen Euro, je nach Variante, ermittelt worden. Bei der Mülheimer Brücke stellen vor allem die noch teilweise vom Vorgängerbau der 1920er Jahre stammenden Rampen und Auffahrtsbrücken ein Problem dar. Bei der linksrheinischen Deichbrücke wird alternativ eine Sanierung bzw. der – schneller durchführbare – Ersatz der aus den 1920er Jahren stammenden Konstruktion diskutiert. Die rechtsrheinische Rampe soll im Zusammenhang mit einer Aufwertung der bisher unbefriedigenden „Brückenschneise“ südlich der Rampe neu gestaltet werden.

Für die 2,6 Kilometer lange Zoobrücke, Baujahr 1966 bis 1969, haben die Gutachter festgestellt, dass sich das Bauwerk in einem seinem Alter entsprechend guten Zustand befindet. Der Schwerpunkt der Sanierung betrifft die Brückenoberfläche und damit Arbeiten an dem Belag und den Abdichtungen, die Erneuerung der so genannten Brückenkappen sowie die Instandsetzung der Fahrbahnübergänge und der Entwässerungsleitungen. Desweiteren muss die Dauerhaftigkeit der Vorspannung der Überbaukonstruktion umfassend überprüft werden. Die aktuelle Kostenschätzung geht von einem Aufwand von rund 30,5 Millionen Euro aus.

Bei der Deutzer Brücke sind umfangreiche Instandsetzungsarbeiten insbesondere an den Rampenbauwerken erforderlich, da diese teilweise bis zu 100 Jahre alt sind. Hier geht es in erster Linie um die Fahrbahnübergänge und die Innen- und Außenseiten der Brückenhohlkästen, in die an undichten Stellen immer wieder Wasser eindringen kann. Darüber hinaus werden die beiden Überbauten einer gründlichen Instandsetzung vergleichbar mit der Zoobrücke unterzogen. Aufgrund ihres hohen Alters werden die beiden Brückenrampen derzeit dahingehend überprüft, ob eine Sanierung möglich ist oder ob einzelne Bauteile durch Neubauten ersetzt werden müssen. Je nach Ausführung belaufen sich die Gesamtkosten der Sanierung auf Beträge zwischen 22 Millionen Euro bei Komplettsanierung und 25,8 Millionen Euro bei einem Ersatzneubau.

Je nach finanzieller Realisierbarkeit in den kommenden Haushaltsjahren werden die Arbeiten sukzessive fortgeführt. Bei der Zeitplanung kommt auch der enormen Verkehrsbelastung aller vier Brücken einer besonderen Bedeutung zu. Dies wird nachhaltigen Einfluss auf die Bauabwicklung haben. In Kürze werden Verkehrssimulationen durchgeführt, um abschätzen zu können, wie stark der Verkehr beeinflusst wird. Die Umsetzung des Sanierungskonzeptes wird sich darum auf einen mehrjährigen Zeitraum erstrecken.

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Südbrücke, Brückenkopf auf der Poller Seite

Aber auch zu den beiden Eisenbahnbrücken gibt es nach Presseberichten neue Überlegungen bzw. Informationen. An den vertraglich von der Stadt zu unterhaltenden Fußgängerstegen und Treppenaufgänge an der Eisenbahn-Südbrücke – einem wichtigen Bindeglied zwischen Rheinauhafen, südlicher Neustadt und rechtsrheinischen Erholungsgebieten – sollen bis 2010 für insges. 5 Mio. Euro dringend ausstehende Sanierungsarbeiten durchgeführt werden (Presseartikel).

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Bei der Hohenzollernbrücke wird erneut über Möglichkeiten einer Überquerungshilfe für Fußgänger diskutiert, welche die Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Deutzer Bahnhof bzw. Innenstadt und Messe erleichtern soll. Neben der bisher vorgeschlagenen Röhre mit Laufbändern auf Höhe des früheren Straßenbrücken-Zuges wird nun auch eine Seilbahn-Lösung untersucht. Kritiker verweisen auf die Möglichkeit, die Zugverbindungen zwischen beiden Bahnhöfen zu nutzen (Presseartikel).

Quellen: Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln; Lokalpresse

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Tage der Industriekultur Rhein-Main 2008 vom 29. Juli bis 3. August

Das Thema „Energie“ mit all seinen Facetten steht im Mittelpunkt der diesjährigen Tage der Industriekultur Rhein-Main, die wieder in der letzten Ferienwoche und am letzten Wochenende der Sommerferien in Hessen und Rheinland-Pfalz veranstaltet wird: Von Dienstag, dem 29. Juli bis Sonntag, den 2. August, dreht sich zwischen dem Bayerischen Main und Bingen am Rhein, der Wetterau und Darmstadt alles um das Thema Industriekultur. Attraktive Angebote locken wieder zu Ausflügen und Be-sichtigungen – ob zu Wasser, zu Fuß, per Rad oder auf Schienen.

Bei der Vorstellung des Veranstaltungsprogramm im „Kraftwerk“ Oberursel, einem restaurierten Umspannwerk, hob Prof. Dr. Felix Semmelroth, Aufsichtsratsvorsitzender der KulturRegion Frankfurt RheinMain gGmbH die Bedeutung solcher Angebote für die Identität mit der Region Frankfurt RheinMain hervor. Die KulturRegion ist Träger der Route der Industriekultur Rhein-Main.

Von Mühlen zur Dampflok, von Kernenergie bis Photovoltaik und Geothermie reicht das Spektrum. Energieversorger in der ganzen Region öffnen ihre Pforten und Häuslebauer in spe können sich über energiesparendes Bauen informieren. Innovative Themen und neue Orte sind ebenso dabei wie Dauerbrenner, z. B. die historischen Eisenbahnen in Hanau und Darmstadt, Führungen durch den Peter-Behrens-Bau in Frankfurt-Höchst, das Dornröschen-Jugendstil-Wasserwerk in Hattersheim oder die Schiffstour, die dieses Jahr zur Landesgartenschau auf dem ehemaligen Hafen- und Bahn-Gelände in Bingen geht.Aufgrund der großen Nachfrage ist die Veranstaltungsreihe auf sechs Tage ausgeweitet worden. Erstmals werden dieses Jahr auch Touren auf Englisch angeboten. Bei entsprechender Nachfrage soll das Angebot an fremdsprachigen Führungen in der Zukunft ausgebaut werden.

Die Faltblätter mit dem Programm der diesjährigen „Tage der Industriekultur Rhein-Main“ sind in der Geschäftsstelle der KulturRegion Frankfurt RheinMain, Poststraße 16 (neben dem Hauptbahnhof in Frankfurt) am Empfang montags bis freitags von 8 – 17 Uhr kostenlos erhältlich. Die Programme liegen zudem in Bürgerhäusern, Rathäusern, Tourist-Infos, Museen und IHKs der Region aus.

Das gesamte Programm findet sich auch auf der website: www.route-der-industriekultur-rhein-main.de.

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Köln: Weiterer Teil des „Carlswerks“ wird umgenutzt

Neben dem traditionsreichen Draht- und Kabelwerk Felten & Guilleaume, dem „Carlswerk“ von 1874, befanden sich hier auch Gas- und Elektrizitätswerk der Stadt Mülheim (letzteres seit langem als Konzert- und Disco-Location „E-Werk“ überregional bekannt“), der Schamottsteinfabrik Martin & Pagenstecher, dem Mülheimer Güterbahnhof und weitere kleine Unternehmen.

Mit dem Gelände von NKT cables übernahm nach eigenen Angaben  2007 die BEOS-Gruppe eines der letzten noch industriell genutzen Areale. Es umfasst zahlreiche historische Industriebauten der 1870er bis 1950er Jahre. Bis 2010 wird die Kabelproduktion schrittweise in den Chemiepark Flittard verlagert.

Aufgeteilt in fünf „Quartiere“ bietet das Unternehmen die bereits verfügbaren Bauten für verschiedene, überwiegend gewerbliche Nutzungen an. Erste große Umnutzungsprojekte sind die „Kupferhütte“ und die „Werkstatt“, in denen auf ca. 6600 qm Räume für Gewerbe und Dienstleistungen entstehen sollen. Unter www.carlswerk.de lässt sich ein Überblick über Projekte und Angebote von BEOS gewinnen.

Historische und aktuelle Informationen bietet die website „Rheinische Industriekultur“

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