Archiv für den Monat: Januar 2008

Köln: Grundsteinlegung des „Caecilium“ – Unterirdisches historisches Umspannwerk wird integriert

Tatsächlich handelt es sich um weitaus mehr, als sich bisher ahnen liess. Der Kleinbau ist nämlich nur der Zugang zu einem „Keller“ von über 1.000 qm Grundfläche und ca. 5 m Höhe. Hier befand sich ein unterirdisches Umspannwerk für die Straßenbahn der Stadt Köln, errichtet um 1900.

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Als Besonderheit wird die tragende Stahlkonstruktion bezeichnet, die den „Rahmen“ des Baus bildet. Historische Böden und die Betonkappendecke zwischen Eisenträgern sind erhalten, ebenso die Freitreppe, die auf das Bodenniveau hinabführte. Auch viele Details wie historische Türen und keramische Wandverkleidungen sind vielfach noch vorhanden.

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Im Kriege unbeschädigt, diente der durch eine Holzkonstruktion in zwei Ebenen geteilte Raum zeitweise als Depot des benachbarten Schütgenmuseums. Im Rahmen der Neubebauung soll das unter Denkmalschutz stehende Ensemble saniert werden. Während der Eingangspavillion als Stützpunkt einer Aussengastronomie dienen könnte, ist für den unterirdischen Saal eine Nutzung als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum vorgesehen.

Einen ersten Eindruck bot die Grundsteinlegung des „Caecilium“, zu der die Essener Projektentwickler Kölbl Kruse am 23. Januar geladen hatten. Angeregt durch den antikisierenden Namen und die aufsehenerregenden archäologischen Funde in der Baugrube hatte das Fest eine „römische“ Ausstattung, für die der unterirdische Saal ein überzeugendes Ambiente bot.

www.koelblkruse.de

Köln: Vorschläge für Umnutzung des Gerling-Areals werden diskutiert

Nachdem der Gerling-Konzern 2006 vom französischen Unternehmen Talanx übernommen worden war, konnte der Kölner Firmensitz aufgegeben werden. Die zentral gelegenen Immobilien hat die Frankonia-Eurobau AG (Nettetal) übernommen, die in einem Gutachterverfahren verschiedene Szenarien für die anstehende Umwandlung des Gerling-Firmensitzes zu einem nutzungsgemischten, hochwertigen und lebendigen Innenstadtviertel erarbeiten ließ. Dieses zweistufige Verfahren wurde Ende 2007 abgeschlossen. Die drei ersten Plätze belegten Kister Scheithauer Gross Architekten und Stadtplaner, Köln, Steidle Architekten, München und Petzinka Pink Technologische Architektur, Düsseldorf.

Die Umwandlung der aufwendigen, repräsentativen Verwaltungsbauten in hochwertige Wohn- und Büroflächen sind nur durch erhebliche Eingriffe möglich, die den Charakter des Ensembles nachhaltig verändern werden.

Der Bund Deutscher Architekten Köln stellt am 28. Januar im Kölner Domforum die Ergebnisse des Gutachterverfahrens vor. Kölns Dezernent für Stadtentwicklung, Planen und Bauen, Bernd Streitberger, und Dr. Wolfgang Conrad für die Frankonia-Eurobau werden das Verfahren erläutern. Die drei ersten Preisträger stellen ihre Entwürfe vor. Anschließend diskutieren Streitberger und Conrad mit Stadtkonservatorin Dr. Renate Kaymer und Dr. Wolfgang Voigt vom Deutschen Architekturmuseum über die Entwürfe.

28. Januar 2008
19.30 Uhr
Domforum, Köln, Domkloster 3

Weitere Information: www.BDA-Koeln.de

Essen: Regionalverband Ruhr stellt Struktur, Finanzierung und Ausbau der „Route der Industriekultur“ sicher

Wie der RVR mitteilen liess, hatte bereits Ende 2007 der RVR-Verbandsausschuss Dr. Thomas Rommelspacher, RVR-Bereichsleiter Planung, zum Werkleiter der eigenbetrieblichen Einrichtung "Route der Industriekultur" ernannt. Zum 2. Betriebsleiter wurde Reinhold Budde, bisher RVR-Teamleiter Route der Industriekultur, bestimmt.
Die neue eigenbetriebsähnliche Einrichtung ist unter anderem für die bauliche Sicherung der sechs Großstandorte der Route der Industriekultur zuständig. Dazu gehören der Landschaftspark Duisburg-Nord, der Gasometer Oberhausen, die Zeche und Kokerei Zollverein in Essen, der Nordsternpark in Gelsenkirchen, die Jahrhunderthalle Bochum und die Kokerei Hansa in Dortmund.
Insgesamt wird der RVR in den nächsten zehn Jahren für die bauliche Sicherung der Standorte 25 Millionen Euro bereitstellen. Dazu kommen Mittel vom Land NRW in Höhe von 36 Millionen Euro. Für die weitere Entwicklung der Route und ihrem Netzwerk mit den insgesamt 25 Ankerpunkten stehen aus RVR-Mitteln jährlich 700.000 Euro für Beschilderung, Marketingmaßnahmen und den Internetauftritt zur Verfügung. Dazu kommen Investitionen in Info-Tafeln und Medien für das Besucherzentrum von rund 100.000 Euro pro Jahr. Außerdem wird sich der RVR mit 400.000 Euro jährlich an den Betriebskosten für das Besucherzentrum Zollverein beteiligen. Der RVR und der neu konstituierte Ausschuss sind auch für den Betrieb des Besucherzentrums und für den Ausbau der Route der Industriekultur per Rad zuständig.

Dortmund: Ausstellung „Schichtwechsel“ im LWL-Industriemuseum auf Zeche Zollern beleuchtet Kohlenkrise an der Ruhr

An der Ruhr rechnete damals niemand mit der Krise: In den zehn "goldenen Jahren" nach der Währungsreform war das Revier das Kraftzentrum der Republik. 800.000 Neu-Bergleute wurden angeworben, Kleinzechen reaktiviert, Überschichten waren an der Tagesordnung. Trotzdem blieb das schwarze Gold ein knappes Gut. Als Weihnachten 1950 wegen des Energieengpasses die Lichter in Deutschland ausgingen, handelten Wirtschaft und Politik. Enorme Investitionen flossen in die Gruben, um die Kapazitäten auszuweiten. 50 neue Tagesschächte wurden in den folgenden Jahren abgeteuft, alle Zeichen standen auf Expansion. Tausende offene Stellen für Untertagearbeiter ließen 1957 noch niemanden die bevorstehende Talfahrt erahnen.

Kohleimporte aus Übersee, vor allem aber Erdöl, dessen Preis schlagartig um weit über die Hälfte fiel, machten der heimischen Kohle nun so starke Konkurrenz, dass schon 1958 riesige Halden in den Himmel ragten. Bis Ende des ersten Krisenjahres fuhren die Kumpel an der Ruhr über drei Millionen unbezahlte Feierschichten.

Zwischen 1958 und 1969 verschwanden 62 Schachtanlagen im Ruhrgebiet, mehr als 280.000 Arbeitsplätze gingen in zehn Jahren verloren. Für die Begrenzung der Krise konnten sich die Akteure in Wirtschaft und Politik nicht auf ein Konzept verständigen.1962 legte die Bundesregierung ein Sieben-Punkte-Programm vor. Zentrales Element: ein Rationalisierungsverband, der den Rückbau der Branche steuern und Subventionen in Milliardenhöhe für stillgelegte Förderkapazitäten verteilen soll. Dieses Konzept ging nicht auf, weil Konzerninteressen sich gegen Brancheninteressen durchsetzten. "Florierende Großzechen mit hoher Produktivität wurden dichtgemacht, weil die Prämien noch lukrativer waren", erläutert Gilhaus und sieht hier durchaus Parallelen zur aktuellen Nokia-Krise in Bochum.

Schon 1958 forderte die IG Bergbau die Überführung der Zechen in eine Einheitsgesellschaft und die Verstaatlichung des Bergbaus. Diese Vorstellungen brachte sie in die Konzertierte Aktion unter Bundeswirtschaftminister Karl Schiller ein. 1968 gelang die Gründung der Ruhrkohle AG auf privatwirtschaftlicher Grundlage. 52 Schachtanlagen und 29 Kokereien gehen in ihr auf.
Schon früh trugen die Bergleute ihre Wut auf die Straße. 1959 fordern 60.000 Kumpel beim Marsch auf Bonn ein Maßnahmenpaket zu ihrer sozialen Absicherung mit Mitbestimmung bei Stilllegungen, Ersatzarbeitsplätze, Entschädigung für Verdienstausfall Mitte der 1960er Jahre radikalisierte sich die Stimmung, denn der Arbeitsmarkt war inzwischen leergefegt.

Für die Ausstellung hat das LWL-Industriemuseum acht Zeitzeugen interviewt und gefilmt. Darunter Georg Zimoch, Jahrgang 1936, damals Abteilungssteiger auf den Zechen Lothringen, Erin und Prosper, dort zuletzt Nachtschichtdirektor. Er ist im Bergbau geblieben und berichtet über mehrere Verlegungen. Karl Bäcker berichtet im Interview über seine Motive, 1962 bei Opel in Bochum neu anzufangen.

Seit 1975 geriet das Ruhrgebiet in eine "doppelte Krise", denn auch in der Stahlindustrie begann der Rückbau. Sehr langsam und mit hohem finanziellen Einsatz entstand das neue Revier, das sich von der Schwerindustrie löste. Der Dienstleistungssektor übernahm die Führung, neue Schlüsselindustrie wurde der Maschinenbau. Eine dichte Hochschullandschaft entstand, Technologiezentren sind heute das Scharnier zur Wirtschaft. Am Beispiel der Stadt Dortmund zeigt die Schau, wie sich die Stadt verändert hat, was aus den alten Zechenstandorten geworden ist und welche Rolle Kulturschaffende beim Entstehen eines neuen Lebensgefühls im Revier gespielt haben.

Schichtwechsel. Die Kohlenkrise an der Ruhr 1958 -1969
20. Januar (Eröffnung 11 Uhr) bis 6. April 2008
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5, 44388 Dortmund
Geöffnet Di – So 10-10 Uhr

Foto: Arbeitsloser Bergmann in Gelsenkirchen vor dem Fördergerüst der Zeche Graf Bismarck, 1966. Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, Kurt Rohwedder
(Text und Foto: LWL-Pressestelle)

Bremerhaven: Tagung „Schiffbaugeschichte“ im Deutschen Schiffahrtsmuseum

Fachleute aus Wissenschaft und Technik referieren über Weserlastkähne der Frühen Neuzeit, Leistungsanalysen zu historischen Schiffen, eine neue Datenbank zur Erfassung von Schiffsdaten, die historische Binnenschifffahrt auf der Elbe, ein Tragflügelboot, den Flettner-Rotor als wiederentdeckten alternativen Schiffsantrieb, den deutschen Beitrag zur Entwicklung des U-Bootes, die Geschichte der Howaldtswerke, die Unternehmenskultur von Blohm + Voss in Vergangenheit und Gegenwart sowie schließlich über die Bilder des Marinemalers Jochen Sachse.Veranstaltet wird die Tagung vom Fachausschuss "Geschichte des Schiffbaus" in der Schiffbautechnischen Gesellschaft (STG) und dem Deutschen Schiffahrtsmuseum. Das Programm wird straff durchgeführt, für jeden Vortrag stehen 20 Minuten zur Verfügung, anschließend ist 10 Minuten Zeit zur Diskussion.Die Tagungsgebühren betragen EUR 20,00 für Mitglieder der STG und des Fördervereins des DSM, für Studenten EUR 10,00 und für alle übrigen Teilnehmer EUR 30,00. Darin enthalten ist auch der Eintritt in das DSM.Unterlagen für die Anmeldung bis spätestens zum 15. Februar 2008 können per Post beim Deutschen Schiffahrtsmuseum, Herrn Kiedel, 27568 Bremerhaven, oder per E-Mail (kiedel@dsm.museum) angefordert werden. Eine telefonische Anmeldung ist nicht möglich.

www.deutsches-schiffahrtsmuseum.de